Cold War – Der Breitengrad der Liebe

Romantikdrama

Cold War - Der Breitengrad der Liebe | Foto: Neue Visionen Filmverleih
Cold War - Der Breitengrad der Liebe | Foto: Neue Visionen Filmverleih

Für ‘Ida’ bekam der Pole Pawe Pawlikowski vor drei Jahren den Oscar, fünf Europäische Filmpreise, einen BAFTA, den spanischen Goya sowie über 60 weitere Auszeichnungen. Der Preisregen dürfte sich bei seinem jüngsten Meisterwerk wiederholen.

Fünfzehn Jahre dauert diese raffiniert erzählte, elliptische Lovestory der Nachkriegszeit. Eine zauberhafte Liebesgeschichte in Zeiten des versteinerten Stalinismus. Brillant inszeniert. Perfekt gespielt. Der Stoff, aus dem Klassiker gemacht sind. „Vielleicht künftig mehr Lieder über Agrarreform oder Weltfrieden!“, schlägt der Parteibonze dem Komponisten vor. Prompt wird der geliebte, wunderbare Stalin in höchsten Tönen besungen. Ausgebildet werden die Musiker an einem neuen Konservatorium, das der junge Musiker Wiktor mit seiner Geliebten Irena gegründet hat. Eigentlich wollen die beiden dort Volkslieder einstudieren, doch schon bald erkennt auch die Partei das propagandistische Potenzial der patriotischen Klänge. Wiktor plagen aber andere Probleme. Bei einem Vorsingen stolpert er über die hübsche Zula. Die verfügt nicht nur über ein grandioses Gesangstalent, sondern weiß sich perfekt in Szene zusetzen. Er ist begeistert von der selbstbe­wussten Sängerin. Seine lang­jährige Partnerin Irena reagiert auf die talentierte Studentin naturgemäß weitaus skeptischer.

Pawlikowski versteht souverän, mit Wow-Effekten zu verblüffen, ohne je anbiedernd zu wirken. Formal schwelgt er in wunderschönen Bildern in kristallklarem Schwarz-Weiß – die im strengen 4:3 „Academy“-Filmbild eine ganz besondere Wirkung erzielen. Mit Spiegeln oder Schatten entwickelt der Regisseur visuelle Ideen voll verspielter Raffinesse, um deren unangestrengte Leichtigkeit ihn jeder koksnasige Parfüm-Werbefilmer beneiden dürfte. Der formalen Lässigkeit entspricht eine Dramaturgie, die ohne Schnickschnack auskommt. Elegant setzt die Story auf den Mut zur Lücke: 15 Jahre Liebe in 89 Minuten Laufzeit müssen bewältigt werden. Dem Publikum wird eine klitzekleine Portion Mitdenken abverlangt. Wofür es jedoch mit einer unwiderstehlichen Einladung zum Mitfühlen belohnt wird.
Dieter Oßwald

Drama, Romanze, POL, GBR, FRA 2018, R.: Pawel Pawlikoswki, D.: Joanna Kulig, Tomasz Kot, Agata Kulesza, Filml.: 87 Min., Filmstart: 22. November