Deine Juliet

Romantik

Deine Juliet | Foto: Studiocanal Deutschland
Deine Juliet | Foto: Studiocanal Deutschland

Während des Zweiten Weltkrieges fiel 1940 mit der Kapitulation Frankreichs auch die britische Kanalinsel Guernsey unter deutsche Besatzung. Was England während des ‘Blitzkrieges’ fürchtete, war hier schon traurige Realität.

Im Fokus steht die junge Schriftstellerin Juliet Ashton, die gerade ihren ersten Bestseller-Erfolg feiert, als ein Brief von der Insel Guernsey hereinflattert. Der dortige Buchclub bittet sie um Hilfe und Juliet nutzt die Gelegenheit, London zu entfliehen. Auf Guernsey entpuppt sich nicht nur der Briefeschreiber Dawsey als gut aussehender, sensibler Schweinebauer. Auch der Literaturzirkel mit seinen exzentrischen Mitgliedern und die jüngste Geschichte der Insel ziehen die Autorin immer mehr in ihren Bann. In gediegener Rückblendenakrobatik schwingt der Film nun zwischen Nachkriegs- und Besatzungszeit hin und her. Geheimnisse werden angedeutet und von der neugierigen Schriftstellerin nacheinander gelüftet. ‘Deine Juliet’ reiht sich bruchlos ein in die Reihe britischer Filme, die im letzten Jahr auf die Ära des Zweiten Weltkrieges zurückblickten. Während Jonathan Teplitzky und Joe Wright mit ihren beiden Churchill-Filmen und Christopher Nolan in ‘Dunkirk’ dem historischen Sujet direkt auf Augenhöhe begegneten, suchten Werke wie ‘Ihre beste Stunde’ einen indirekten Zugang. Diese Erzählstrategie des zeitgeschichtlichen Seitenblicks treibt Newell nun in ‘Deine Juliet’ weiter voran, indem die tragischen Kriegserlebnisse unter deutscher Besatzung von der Evakuierung über die Kollaboration bis zur Deportation ins putzige Nostalgieformat verwässert werden. Tapfer stemmen sich das pittoreske Flair der Insel, das honigfarbene Licht und die liebenswerten Provinzbücherwürmer gegen die schmerzhaften Erinnerungen, die schon bald wieder von den Glücksversprechungen der Gegenwart weggespült werden. Newell beweist sich hier als echter Brit-Kitsch-Meister, dessen Mischung aus Sentimentalität und Understatement allerdings immer noch deutlich besser zu ertragen ist als die aggressive Rührseligkeit äquivalenter Hollywood-Produkte.
Martin Schwickert

Drama, Historie, GBR, USA 2018, R.: Mike Newell, D.: Lily James, Michiel Huisman, Matthew Goode, Filml.: 124 Min., ab 9. August