Die Frau, die vorausgeht

ein Western der anderen Art

Die Frau, die vorausgeht
Die Frau, die vorausgeht

„Sie sehen aus, wie jemand mit guten Absichten“, sagt Colonel Silas Groves zu der alleinreisenden Dame und das ist nicht als Kompliment gemeint.

Gute Absichten sind das letzte, was die US-Armee im Jahre 1890 in Fort Yates gebrauchen kann. Schließlich wurde Groves nach North Dakota gesandt, um die dort lebenden Sioux-Stämme mit einem Knebel-Vertrag eines Großteils ihres Reservates zu berauben.
Catherine Weldon hingegen hat sich aus dem fernen New York in den Wilden Westen aufgemacht, um ein Bild von dem legendären Lakota-Häuptling Sitting Bull zu malen. Der berüchtigte Krieger ist mittlerweile Kartoffelbauer, spricht astreines Englisch und scheint sich widerwillig mit dem Reservatsdasein abgefunden zu haben. Während der entmachtete Häuptling und die Malerin sich annähern, beginnt Groves Druck auf die Reservatsbewohner für die anstehenden Verhandlungen auszuüben.
Die britische Regisseurin Susanna White führt patriarchale und rassistische Unterdrückungsmechanismen in der cinegenen Kulisse des Wilden Westens vor. Das funktioniert sehr gut, weil ihr Film stets nah an den beiden Hauptfiguren bleibt.
In Zeiten, in denen der weiße Mann im Weißen Haus seine Cowboy-Mentalität zur Schau stellt, sind solche Western Gold wert.
Martin Schwickert

USA 2017, Regie: Susanna White, Darsteller: Jessica Chastain, Michael Greyeyes, Sam Rockwell, ab 5. Juli