Kid Simius im Interview

Planet of the Simius

Kid Simius | Foto: Cris Beltran
Kid Simius | Foto: Cris Beltran

Vor knapp zehn Jahren zog Kid Simius aus Granada nach Berlin. Seitdem hat er unverkennbare Nummer-Eins- und Underground- Hits produziert. Sein neues Album ist grellbunt, universell und tief persönlich. Der rote Faden? – Das sind Kid
Simius und seine Weigerung, sich einengen zu lassen. Vor dem Auftritt an der Weser hat der BREMER das Gespräch mit dem gefragten Produzenten gesucht.

BREMER: Was waren deine Beweggründe, nach Deutschland zu kommen?
Kid Simius: Größtenteils wegen der Musik. Ich habe mir damals in Berlin einen Probenraum in einem Gebäude gesucht, wo auch viele andere Künstler aus der elektronischen Musik-Szene Berlins vertreten waren. Da dachte ich mir: Krass, so viele Leute, die ich kenne und für ihre Musik bewundere. Auf einmal war ich mitten unter ihnen! Das
hat mir sehr geholfen dabei, hier Fuß zu
fassen.

Wie hast du dich in der Szene vernetzt?
Früher wollte ich eigentlich Psychologe werden. Während eines Auslandssemesters in Norwegen habe ich jemanden getroffen, der aus Berlin kam. Lustigerweise war das zu der Zeit der Mitbewohner von Marteria, der heute mein Freund und Manager ist.

Heutzutage kann jeder mit einem kleinen Budget von zu Hause aus produzieren. Wie wird die Musik-Szene dadurch beeinflusst?
Egal, ob man viel Ahnung von Musik hat oder nicht, jeder kann mittlerweile was auf die Reihe bekommen. Dadurch können viele Menschen Musik machen, die dazu vorher nicht die Möglichkeit hatten. Natürlich gibt es dadurch auch mehr Musik da draußen, aber das finde ich nicht unbedingt schlecht. So entstehen immer neue Einflüsse. Allerdings ist es Leuten dadurch mittlerweile egal, ob der neue Hit von Drake mit dem allerteuersten Equipment oder einer kostenlosen Loop-Library produziert wurde. Das finde ich etwas schade.

Wie hast du das produzieren erlernt?
In Granada hatte ich eine Elektro-Punk Band, in der ich Gitarre gespielt und gesungen habe. Ein Kumpel hatte damals einen Computer, auf dem Ableton installiert war. Er hat mir einiges beigebracht. Als sich die Band dann aufgelöst hat, habe ich alleine mit Ableton weitergearbeitet. Was mich daran so fasziniert, ist, dass ich ganz alleine vollständige Lieder aufnehmen kann.

Kamen die Tracks auf dem neuen Album eher spontan zustande oder hattest du vorher eine genaue Vorstellung, wie die einzelnen Songs klingen sollen?
Die Idee, eine LP zu machen, stand schon lange im Raum. Nur wusste ich lange nicht, wie oder was da rauf sollte. Also habe ich einfach die Musik gemacht, die ich wollte, ohne große Erwartungshaltung. So kamen die einzelnen Songs nach und nach zufällig zustande. Ich wollte nicht zu einem Sklaven eines vorgeschriebenen Konzepts werden – deswegen ist das Album bewusst offen und frei gehalten.
Ruben Schiefke

Am 7. Dezember im Römer