Neue Vahr Süd

Komödie mit Bremen-Bezug

Neue Vahr Süd | Foto: Schnürschuh Theater
Neue Vahr Süd | Foto: Schnürschuh Theater

Nach dem Erfolg von ‘Herr Lehmann’ bringt der Regisseur Helge Tramsen den Nachfolgeband des Romans von Sven Regener ins Schnürschuhtheater.

Der etwas eigene, aber liebenswerte Charakter Frank Lehmann wird in ‘Neue Vahr Süd’ in die Vergangenheit begleitet. Es handelt von der Zeit neun Jahre vor ‘Herr Lehmann’. Und spielt in seiner Heimatstadt Bremen, in der er nach seiner Lehre den Wehrdienst ableisten muss, da er blöderweise vergessen hat, zu verweigern. Nachdem er merkt, dass er zu Hause bei seinen Eltern in der Neuen Vahr Süd nicht mehr erwünscht ist, zieht er in eine chaotische, linke WG an der Sielwallkreuzung. Hier lernt er einige Studenten kennen, durch die er einen Einblick in die Welt von Studentenprotesten und linken Theorien erhält. So lebt er schnell in einem Spannungsfeld zwischen Militär und der linken Bewegung 1980 in Bremen. „Lehmann steht im Zentrum. Im Auge des Orkans“, so der Reigisseur.

Tramsen holt für seine Adaption mit Pascal Markowa als Frank Lehmann den bereits bewährten Schauspieler aus der vorherigen Inszenierung auf die Bühne. Unterstützt wird er von Mathias Hilbig, Ulrike Knospe, Holger Sprengler und Andrea zum Felde, die Schnelligkeit und Flexibilität beweisen müssen. „Es gibt 29 Rollen, die von vier Schauspielern gespielt werden. Das ist Zehnkampf für sie, aber kann für den Zuschauer auch ganz lustig werden“, erklärt der Regisseur. Die Schauspieler hat sich Tramsen daher sehr genau ausgesucht: „Ich habe mit allen bereits zusammen gearbeitet – das sind so meine persönlichen Best-Of.“
Das gesamte Stück wird laut Tramsen noch witziger und spannender als der Vorgänger: „Lehmann ist hier in einer Zeitschleife hängengeblieben. Er hat von Anfang an das Gefühl, dass er bereits einen Schritt weiter hätte gehen müssen. Da gibt es viele Situationen, die für das Publikum amüsant sind, obwohl Lehmann darunter leidet.“

Richtig existenziell wird es dann allerdings, als Lehmann am Ende seinen Selbstmord vortäuscht, um aus der Bundeswehr rauszukommen. Das Thema scheint bei der neu aufkeimenden Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland aktueller denn je, ist allerdings gleichermaßen zeitlos: „Die Zerissenheit zwischen einem Leben, in dem man sich mit Gleichgesinnten verständigt, seinen eigenen Weg sucht und gleichzeitig den Verpflichtungen nachkommen muss, die einem in der Gesellschaft auferlegt werden. Fragen wie: ‘Braucht man das Militär?’, oder: ‘Was macht es eigentlich mit einem Menschen, wenn er als Soldat in den Krieg ziehen muss?’, ich glaube, das sind Themen, die nie vergehen“, meint Tramsen.

Das Stück wird also auf der einen Seite jene Diskussionen aufgreifen und auf der anderen Seite einen Blick auf Bremen vor fast 40 Jahren bieten. Auch die 1980 ausgerichteten Proteste vor dem Weserstadion zum Gelöbnis der Bundeswehrrekruten, die teilweise Straßenschlachten auslösten und viele Verletzte nach sich zogen, werden thematisiert. Und zwischen all diesen Ereignissen die kurios-komische Figur Frank Lehmann.
LL

Am 11. September um 19 Uhr öffentliche Probe, Premiere am 21. September, 19.30 Uhr, Schnürschuh Theater